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Ronaldo gegen Messi – wie Buchmacher die beiden gegeneinander bewerteten

Autor Georg Reindl Aktualisiert am

Ronaldo gegen Messi war über ein Jahrzehnt der meistgehandelte Zweikampf im Fußballwettmarkt. Vor der Saison 2015/16 stellten die Buchmacher auf drei Märkte Quoten: Torschützenkönig der Primera División, Torschützenkönig der Champions League und der Ballon d'Or.

Die Quoten darin stammen vom 16. Juli 2015 und gelten nicht mehr. Sie stehen hier als Momentaufnahme, weil sich an ihnen gut ablesen lässt, wie ein Markt zwei Spieler gegeneinander bepreist, die sich statistisch kaum unterschieden.

Was die Quoten damals aussagten

In der Primera División lagen die Preise bei den meisten Anbietern bei 2,00 auf Ronaldo und 1,90 auf Messi. Das entspricht Wahrscheinlichkeiten von 50 und 52,6 Prozent, zusammen also 102,6 Prozent.

Die 2,6 Prozentpunkte über hundert sind die Marge des Buchmachers. Auf einen Zweikampf gerechnet ist das ein sehr scharfer Preis, und das ist kein Zufall: Ein Markt mit zwei Ausgängen und hohem Volumen zwingt die Anbieter zur Genauigkeit.

Deutlich anders sah es beim Ballon d'Or aus. Dort standen 9,00 auf Ronaldo gegen 1,07 auf Messi, was einer Einschätzung von 11 gegen 93 Prozent entspricht. Der Markt hielt die Sache also für praktisch entschieden, und die Summe von über hundert Prozent fällt bei einem solchen Verhältnis stärker ins Gewicht.

Warum ein Duell-Markt anders funktioniert

Bei einer klassischen 1X2-Wette verteilt der Buchmacher seine Marge über drei Ausgänge. Bei einem direkten Vergleich zweier Spieler gibt es nur zwei, und ein dritter Beteiligter, hier Neymar mit 25,00 bis 26,00, taucht als Randnotiz auf.

Das macht solche Märkte auf den ersten Blick attraktiv, weil die Marge sichtbar niedriger liegt. Es macht sie zugleich schwerer zu schlagen: Wo der Preis scharf ist, muss die eigene Einschätzung entsprechend genauer sein als die des Marktes.

Dazu kommt ein praktisches Problem, das die Infografik selbst zeigt. Der Wettbewerb läuft über eine ganze Saison, und in dieser Zeit entscheiden Verletzungen, Rotation und Trainerwechsel mehr über den Ausgang als die Form im Juli.

Was der Rückblick über Quotenvergleiche lehrt

Vier Anbieter, vier Preise auf dieselbe Frage: 2,00 bei drei Häusern, 2,05 bei einem. Das sieht nach nichts aus und ist über viele Wetten hinweg genau der Unterschied, der zählt. Zweieinhalb Prozent mehr auf jeden Gewinn entsprechen etwa der Hälfte der Marge, die in einem gut kalkulierten Markt überhaupt drinsteckt. Wer immer beim selben Anbieter setzt, gibt diesen Anteil ab, ohne es zu merken.

Wie sich das heute prüfen lässt, steht unter Quotenvergleich. Die Rechnung dahinter, also wie aus einer Quote eine Wahrscheinlichkeit wird und wo die Marge sitzt, steht unter Berechnen der Wettquoten.

Was von den Anbietern in der Grafik geblieben ist

Die vier abgebildeten Buchmacher waren 2015 alle im deutschen Markt aktiv, damals unter der ungeklärten Rechtslage vor dem Glücksspielstaatsvertrag. Heute entscheidet allein die Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder darüber, wer hier Wetten annehmen darf. Dass eine Marke in einer alten Grafik auftaucht, sagt über ihren heutigen Status nichts. Die geprüften Einordnungen stehen unter Erfahrungsberichte, jeweils mit dem Datum der Whitelist-Fassung, gegen die geprüft wurde.

Für Wetten auf einzelne Spieler gilt unverändert, was auch 2015 galt: Der Preis ist scharf, der Zeitraum lang, und die Marge des Anbieters fällt trotzdem an. Die Wettsteuer von 5,3 Prozent auf den Einsatz kommt seit 2021 hinzu.

Spielerwetten und ihre Tücken

Wer auf einen Torschützenkönig setzt, wettet in Wahrheit auf drei Dinge zugleich: dass der Spieler trifft, dass er gesund bleibt und dass sein Trainer ihn spielen lässt. Nur das erste davon lässt sich aus der Statistik abschätzen.

Der zweite Punkt ist der teuerste. Eine Muskelverletzung im Februar entscheidet einen Saisonmarkt, und sie ist im Juli nicht prognostizierbar. Deshalb liegen Langzeitwetten auf Einzelspieler in der Praxis näher an einer Wette auf Verfügbarkeit als auf Qualität.

Der dritte Punkt betrifft vor allem Vereine, die auf mehreren Wettbewerben spielen. Wer in der Champions League gebraucht wird, sitzt am Wochenende davor womöglich auf der Bank, und genau diese Spiele fehlen dann in der Torstatistik.

Warum solche Grafiken nicht aktualisiert werden

Weil die Zahlen im Bild stecken und nicht im Text. Eine Quote, die als Pixel vorliegt, lässt sich nur ändern, indem man die Grafik neu baut, und eine neu gebaute Grafik wäre am nächsten Tag wieder überholt. Deshalb trägt diese Grafik ihr Datum sichtbar und wird als Zeitdokument geführt. Aktuelle Preise stehen dort, wo sie sich nachführen lassen, nämlich im Quotenvergleich.

Was heute an die Stelle solcher Duelle getreten ist

Der Zweikampf zweier herausragender Spieler war ein Sonderfall: zwei Namen, zwei Vereine, ein Markt mit hohem Volumen und entsprechend scharfen Preisen. Ein solcher Markt entsteht nicht auf Bestellung. Geblieben sind die allgemeinen Torschützenmärkte, in denen zehn oder mehr Spieler mit Quoten geführt werden. Dort verteilt sich die Marge über mehr Ausgänge, und die Summe der Kehrwerte liegt regelmäßig deutlich über der eines Zweikampfs.

Wer solche Märkte spielt, prüft deshalb zuerst, wie teuer der Markt insgesamt ist, und erst danach, welcher Spieler unterbewertet erscheint. In dieser Reihenfolge, nicht umgekehrt.

Was eine Quote über zwei gleich starke Spieler verrät

Wenig über die Spieler und viel über den Markt. Bei 2,00 gegen 1,90 hat der Buchmacher keine Meinung im eigentlichen Sinn; er hat die eingehenden Einsätze so ausbalanciert, dass er in beiden Fällen verdient. Genau das ist der Punkt, an dem eine eigene Einschätzung überhaupt Wert haben kann. Wo die Quote nur die Verteilung der Einsätze abbildet und nicht eine Analyse, kann sie von der tatsächlichen Wahrscheinlichkeit abweichen.

Nur ist diese Abweichung bei einem so gut besetzten Markt klein, und die Marge frisst sie in der Regel auf. Ausführlicher steht das unter Sportwetten Strategie: Valuewetten.