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Vom Wetten leben – warum der Erwartungswert beim Buchmacher liegt

Autor Georg Reindl Aktualisiert am

Die Frage taucht in jedem Wettforum auf: Lässt sich vom Wetten leben? Die ehrliche Antwort beginnt bei einer Rechnung, und die fällt gegen den Wettenden aus.

Ein Buchmacher zahlt seine Quoten nicht zum fairen Preis aus. In jede Quote ist eine Marge einkalkuliert. Wer zu diesen Quoten wettet, spielt gegen einen Vorsprung, der bei jeder einzelnen Wette anfällt und sich über viele Wetten zuverlässig durchsetzt.

Dazu kommt die Wettsteuer von 5,3 Prozent auf den Einsatz (Paragraf 17 RennwLottG). Ob ein Anbieter sie übernimmt oder weitergibt, entscheidet er selbst; wo er sie weitergibt, verschiebt sie die Gewinnschwelle noch einmal spürbar nach oben. Wer bei einer Quote von 2,00 wettet und die Steuer selbst trägt, braucht deutlich mehr als die Hälfte richtige Tipps, um überhaupt bei null herauszukommen.

Der dritte Punkt wird selten erwähnt und beendet in der Praxis die meisten Versuche: Buchmacher limitieren Konten. Wer über längere Zeit erkennbar profitabel wettet, bekommt seine Einsatzgrenzen gesenkt, oft auf wenige Euro.

Das ist keine Ausnahme, sondern Teil des Geschäftsmodells. Ein Vorgehen, das rechnerisch aufgeht, sich aber nicht mehr in relevanter Höhe platzieren lässt, trägt keinen Lebensunterhalt.

Was bleibt, ist eine nüchterne Einordnung. Sportwetten sind Glücksspiel. Es gibt einzelne Wettende, die über längere Zeiträume vorne liegen, und sehr viel mehr, die das von sich glauben, weil sie ihre Verluste nicht mitzählen. Wer ein Angebot findet, das ein sicheres Einkommen aus Wetten verspricht, hat kein System gefunden, sondern einen Verkäufer.

Wer trotzdem systematisch vorgehen möchte, findet die tragfähigen Bausteine unter Wettstrategien und Quotenvergleich. Einsatzverwaltung und Quotenvergleich verbessern das Ergebnis, sie drehen den Erwartungswert aber nicht um.

Was die Rechnung nicht hergibt

Der Einwand gegen diese Rechnung lautet meistens, es komme eben auf Wissen an: Wer Verletzungen, Trainerwechsel und Belastungssteuerung verfolge, sei den anderen voraus. Der Einwand hat einen wahren Kern und trifft trotzdem daneben. Dieselben Informationen liegen dem Buchmacher vor, und sie sind in der Quote bereits enthalten, bevor sie irgendwo gelesen werden.

Ein Vorteil entsteht deshalb nicht aus Wissen, sondern aus einer Abweichung: Man muss eine Wahrscheinlichkeit anders einschätzen als der Markt und damit häufiger richtig liegen als er. Wie groß diese Abweichung sein müsste, lässt sich beziffern. Bei einer Marge von fünf Prozent und der Wettsteuer von 5,3 Prozent auf den Einsatz muss die eigene Schätzung dauerhaft mehrere Prozentpunkte besser sein als die eingepreiste, nicht gelegentlich, sondern im Durchschnitt über hunderte Wetten.

Die Grenze, die niemand einplant

Angenommen, das gelingt. Dann beginnt das eigentliche Problem, und es ist kein Rechenproblem. Ein Konto, das über Monate erkennbar vorne liegt, fällt auf, und die Reaktion darauf ist Teil des Geschäftsmodells: Die Einsatzgrenzen werden gesenkt, oft auf Beträge, mit denen sich nichts mehr verdienen lässt.

Der Vorteil bleibt bestehen, nur lässt er sich nicht mehr in einer Höhe platzieren, die Miete bezahlt. Das ist der Punkt, an dem die Vorstellung vom Beruf auseinanderfällt. Ein Einkommen setzt voraus, dass sich derselbe Vorgang planbar wiederholen lässt. Genau das ist hier nicht gegeben, und zwar unabhängig davon, wie gut jemand analysiert.

Was von der Idee übrig bleibt

Übrig bleibt etwas Kleineres, das aber standhält. Wer seine Wetten aufzeichnet, mit Datum, Markt, Quote und Einsatz, sieht nach einigen hundert Einträgen, ob die eigenen Schätzungen näher an der Wirklichkeit lagen als die eingepreisten. Diese Auswertung ist der einzige belastbare Weg, die Frage überhaupt zu beantworten, und sie beantwortet sie für die meisten mit Nein.

Was sich außerdem verbessern lässt, ist die Einsatzhöhe. Eine feste Regel, üblicherweise ein bis zwei Prozent des verfügbaren Guthabens je Wette, überlebt die Serien von acht oder zehn Fehltipps, die auch bei guter Einschätzung auftreten. Wer nach Gefühl setzt, scheidet in einer solchen Serie aus, bevor sich zeigen konnte, ob die Methode etwas taugt. Beides steht ausführlich unter Wettstrategien.

Einordnung

Sportwetten sind Glücksspiel, und der Gesetzgeber behandelt sie aus gutem Grund als solches. Wer sie als Einkommensquelle plant, plant gegen eine eingebaute Marge, gegen eine Steuer auf jeden Einsatz und gegen einen Anbieter, der den Erfolgsfall begrenzen darf. Angebote, die ein sicheres Einkommen aus Wetten versprechen, verkaufen die Aussicht darauf, nicht die Sache selbst.

Wer trotzdem wettet, sollte den Einsatz als Ausgabe betrachten, die vollständig verloren gehen kann, und ein Limit setzen, bevor die erste Wette läuft. Hilfe bei problematischem Spielverhalten gibt es kostenlos und anonym unter der Telefonberatung 0800 1 37 27 00.