Die Frage, ob es Wetten gibt, die unabhängig vom Spielausgang Gewinn abwerfen, führt zu den sogenannten Sure Bets oder Arbitrage-Wetten. Rechnerisch existieren sie: Wenn zwei Buchmacher denselben Ausgang unterschiedlich einschätzen, lässt sich der Quotenunterschied so ausnutzen, dass jede mögliche Endkonstellation im Plus endet.
In der Praxis stehen dem allerdings mehrere Hürden entgegen, die weiter unten einzeln aufgeführt sind. Die Rechnung ist dabei das kleinere Problem. Entscheidend ist, wie die Buchmacher reagieren.
Wähle unterschiedliche Anbieter aus
Voraussetzung ist ein Konto bei mehreren Buchmachern, jeweils mit Guthaben. Zwei oder drei genügen dabei nicht: Weil Quotenunterschiede selten und kurzlebig sind, braucht es eine zweistellige Zahl an Anbietern, damit überhaupt regelmäßig eine passende Konstellation auftritt. Die Buchmacher sind hier der eigentliche Engpass.
Ein Beispiel:
Bei einem Gesamteinsatz von 1.000 Euro, verteilt auf drei Anbieter:
- Team A, Quote 1,25 – Einsatz 817,12 Euro
- Unentschieden, Quote 8,0 – Einsatz 127,67 Euro
- Team B, Quote 18,5 – Einsatz 55,21 Euro
Jeder der drei Ausgänge liefert rund 1.021 Euro zurück, rechnerisch also etwa 21 Euro oder 2,14 Prozent über dem Gesamteinsatz, unabhängig vom Spielausgang. Zu beachten: Dieser Wert ist vor Wettsteuer gerechnet. Bei 5,3 Prozent auf den Einsatz kehrt sich das Ergebnis um, sofern der Anbieter die Steuer weitergibt.
Simpel, oder?
Das Beispiel zeigt, warum solche Konstellationen selten sind: Sie setzen deutlich abweichende Einschätzungen voraus, wie sie eher in Nischenmärkten oder im Tennis vorkommen als in einer Topliga. Buchmacher beobachten den Markt und gleichen ihre Quoten laufend an, wodurch sich solche Lücken meist innerhalb von Minuten schließen.
Es gibt Portale, die solche Gelegenheiten auflisten. Sie sind allerdings nur kurz gültig, weil die Anbieter ihre Quoten schnell nachziehen. Hinzu kommt das Verhältnis von Aufwand und Ertrag: Da die Marge im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegt, ist ein erheblicher Kapitaleinsatz nötig, damit überhaupt ein nennenswerter Betrag herauskommt.
Praktisch heißt das auch: Die Guthaben auf allen beteiligten Wettkonten müssen jederzeit ausreichend gefüllt sein. Dafür braucht es Zahlungswege, die in Echtzeit gutschreiben, etwa PayPal oder Neteller. (Moneybookers, das ältere Übersichten an dieser Stelle nennen, heißt seit 2011 Skrill.)
Die Arbitrage Wette als Sure Bet
Arbitrage-Wette und Sure Bet bezeichnen dasselbe Prinzip. Es geht nie um einen einzelnen Tipp auf einen Favoriten, sondern immer um eine Kombination mehrerer Wetten bei verschiedenen Anbietern, deren Einsätze so verteilt werden, dass jeder Ausgang abgedeckt ist. Der Begriff stammt aus dem Finanzhandel und beschreibt dort das Ausnutzen von Preisunterschieden für dasselbe Gut bei verschiedenen Anbietern. Auf Sportwetten übertragen sind die Preise die Quoten.
Weichen die Quoten zweier Buchmacher für denselben Ausgang weit genug voneinander ab, ergibt eine passend gewichtete Verteilung der Einsätze rechnerisch in jedem Fall ein Plus. In der Praxis beruht das ausschließlich auf temporären Quotenunterschieden zwischen einzelnen Anbietern, nicht auf einer Einschätzung des Spielausgangs.
Wie kann eine Sure Bet / Arbitrage Wette erkannt werden?
Solche Gelegenheiten zu finden kostet Zeit und verlangt anschließend schnelles Handeln, weil sich die Quoten gerade online rasch angleichen. Ob eine Konstellation tatsächlich trägt, lässt sich überschlagen: Der Wert zur Überprüfung der Arbitrage Wette ergibt sich aus: 1/Quote 1 + 1/Quote 2
Das bedeutet in Zahlen: Wenn die Bestquote bei einer Begegnung in der Bundesliga für mehr als 2,5 Tore bei Buchmacher A 2,0 beträgt und ein anderer für weniger als 2,5 Tore 2,1 als Quote bietet, dann handelt nach der Formel um eine lohnenswerte Wette. 1 / 2,0 + 1 / 2,10 = 0,5 + 0,476 = 0,976
Liegt die Summe unter 1, decken die beiden Quoten zusammen mehr als den Einsatz ab; die Differenz zu 1 ist die theoretische Marge, im Beispiel rund 2,4 Prozent des Gesamteinsatzes. Liegt sie über 1, trägt die Konstellation nicht.
Sichere Sportwetten: Der Nachteil der „risikofreien“ Sportwetten
Rechnerisch aufgehen und praktisch funktionieren sind zwei verschiedene Dinge. Fünf Punkte stehen dem im Weg: 1) Kapitalbedarf. Bei einer Marge im niedrigen einstelligen Bereich muss viel Geld bewegt werden, damit ein spürbarer Betrag übrig bleibt, und dieses Geld ist über mehrere Wettkonten hinweg gebunden.
2) Viele Konten. Die Strategie setzt aktive Konten bei zahlreichen Buchmachern voraus. Je mehr Anbieter, desto häufiger passende Quotenunterschiede, und desto schwieriger der Überblick über Guthaben und offene Wetten.
3) Kurzes Zeitfenster. Die Suche ist aufwendig, und wenn sie erfolgreich ist, zählen Minuten. Ändert ein Anbieter seine Quote, nachdem die erste Wette platziert wurde, ist die Konstellation zerstört. Statt eines gesicherten Gewinns steht eine ganz normale, riskante Einzelwette im Buch.
4) Die Wettsteuer, sie verhindert sichere Sportwetten. Seit 2012 ist es fast so gut, wie unmöglich Sure Bets abzuschließen, aufgrund der eingeführten Wettsteuer. Denn die Quotenunterschiede bei den Arbitrage/ Sure Bets versprechen nur einen geringen Prozentsatz an Reingewinn und wenn dann, die 5,3% Wettsteuer erhoben wird, dann kann das alle Überlegungen zunichtemachen.
5) Kontosperren. Der Punkt, der die Strategie in der Praxis beendet: Buchmacher erkennen dieses Wettverhalten und reagieren mit Einsatzbegrenzungen bis hin zur Schließung des Kontos.
Das ist ihnen nach ihren Geschäftsbedingungen erlaubt. Wer über mehrere Anbieter hinweg systematisch Quotenunterschiede abschöpft, verliert deshalb nach und nach genau die Konten, auf denen die Strategie beruht.
Woran sich „sicher“ festmachen lässt und woran nicht
Sicher ist an einer Wette nur der Rahmen, nie der Ausgang. Prüfbar sind drei Dinge: ob der Anbieter auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder steht, ob er die Identität vor der ersten Auszahlung prüft, und ob Einzahlungslimit und Selbstsperre erreichbar hinterlegt sind.
Nicht prüfbar ist alles, was ein Anbieter über sich selbst behauptet: Auszahlungsquoten ohne Quelle, Bewertungen ohne Methode, Versprechen über Bearbeitungszeiten. Diese Angaben stehen auf dieser Seite deshalb nicht.
Der wichtigste Punkt ist zugleich der unbequemste: Ein Buchmacher rechnet seine Marge in jede Quote ein, und über genug Wetten setzt sie sich durch. Eine sichere Wette im Sinne eines gesicherten Ertrags gibt es nicht.
Was tatsächlich Risiko senkt
Ein fester Einsatzanteil von ein bis zwei Prozent des Guthabens je Wette, ein Einzahlungslimit, das vor der Entscheidung greift, und eine Aufzeichnung, die zeigt, ob über hundert Wetten hinweg ein Vorteil bestand. Diese drei sind unspektakulär und wirken zuverlässiger als jede Wettart. Die Ansätze im Einzelnen stehen unter Wetten mit Strategie; wer den Eindruck hat, dass sich das Wetten verselbstständigt, findet unter bioeg.de kostenlose und anonyme Beratung.
Weitere Ansätze im Überblick: Wettstrategien.