Es ist einfach nicht zu fassen: Joseph S. Blatter, der suspendierte Fifa-Präsident, wurde zum Schweizer des Jahres 2015 gekürt. Die „Weltwoche“, eine konservative Zeitung, sah großzügig über den Korruptionsskandal bei der Fifa hinweg. Der Grund für die Entscheidung: Blatter wird als Sonderbotschafter und Entwicklungshelfer angesehen. In der Ausgabe vom Donnerstag hob das Blatt den suspendierten Joseph Blatter als Ausnahmeschweizer hervor. Warum eigentlich? Welche Verdienste hat er sich gemacht, wenn doch der Korruptionsskandal alles überwiegt und erst nach einiger Zeit ans Tageslicht kam?
Sichere dir einen exklusiven Wettbonus!
William Hill

William Hill

100% bis zu 100€

Bet at Home

Bet at Home

50% bis zu 100€

X-Tip Sportwetten

X-Tip Sportwetten

100% bis zu 100€

Interwetten

Interwetten

100% bis zu 110€

Die Entscheidung der „Weltwoche“ – nicht nachvollziehbar

BlatterDie Entscheidung der Schweizer „Weltwoche“, den umstrittenen Blatter zum „Schweizer des Jahres“ zu machen, ist unbegreiflich. Das Blatt lobt

  • eindrückliche Leistungen des Ausnahmeschweizers
  • Blatter als Mischung aus Sonderbotschafter und Entwicklungshelfer
  • Blatters rastlose Touren um den Planeten

Das Blatt schreibt ferner, dass Blatter als Fußball-Funktionär verkannt werde, denn im Vordergrund stehen seine Leistungen als unermüdlicher und bewusster Kämpfer für eine bessere Welt. Blatter ist stolz auf seine Würdigung, er ist mit seiner Suspendierung nicht einverstanden. Er meint, dass er für seine Leistungen eigentlich ein Diplom bekommen müsste. Ist ihm die Auszeichnung als Schweizer des Jahres etwa noch nicht genug?

Wie seriös ist die Weltwoche?

Welche Leistungen hat Blatter eigentlich für eine bessere Welt erbracht? Angesichts des Korruptionsskandals drängt sich die Frage auf, ob es sich bei der Schweizer Weltwoche überhaupt um eine seriöse Zeitung handelt. Die Weltwoche ist konservativ und gilt als seriöse Tageszeitung, sie wurde bereits 1933 als Schweizer Wochenzeitung gegründet. Allerdings sorgten Publikationen in der Weltwoche immer wieder für kontroverse Diskussionen. Solche aufsehenerregenden Publikationen waren vor allem

  • Mirage-Affäre 1964
  • Panzer 68-Affäre 1979
  • Artikelserie über Mord in Kehrsatz 1988/89
  • Enttarnung des Holocaust-Schwindlers Binjamin Wilkomirski 1998

Bei der Roschacher-Affäre war die Zeitung im Jahre 2007 treibende Kraft, mehrere Artikel zum Missbrauch im Sozialamt in Zürich wurden veröffentlicht. Zwei Informantinnen des Sozialamtes der Stadt Zürich wurden entlassen und wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses verurteilt. Die „Weltwoche“ gilt als wirtschaftsliberal und staatskritisch. Gerade deshalb wirft sich die Frage auf, wie diese Zeitung eine solche Entscheidung treffen und einen derart korrupten Funktionär wie Blatter zum Schweizer des Jahres macht. Der Schweizer Soziologe Linards Udris bescheinigt der Zeitung eine Tendenz zu rechtspopulistischen und rechtskonservativen Positionen.

Bedingungen für die Auszeichnung Schweizer des Jahres

Die Auszeichnung „Schweizer des Jahres“ ist noch recht jung, sie wird erst seit 2003 während der Swiss-Award-Gala vom Schweizer Fernsehpublikum gewählt. Die Auszeichnung wurde also nicht von der Zeitung Weltwoche, sondern von den Zuschauern gewählt. Die Eidgenossen spinnen tatsächlich, denn wie kann ein so breites Publikum einen korrupten Funktionär für diese Auszeichnung vorschlagen? Die Schweizer denken allerdings etwas anders darüber. Gewinner der Sports Awards werden beim SwissAward seit 2014 automatisch als Kandidaten für den Titel nominiert; als Preisträger kommen also

  • Sportlerin des Jahres
  • Sportler des Jahres
  • Behindertensportler des Jahres

in Frage. Die Auszeichnung Schweizer des Jahres haben bislang

  • 2002 – Beat Richner, ein Kinderarzt
  • 2003 – Roger Federer, Tennisprofi
  • 2004 – Lotti Latrous, Entwicklungshelferin
  • 2005 – Peter Sauber, Formel-1-Rennstallbesitzer
  • 2006 – Köbi Kuhn, ein Fußballtrainer
  • 2007 – Jörg Abderhalden, Schwingerkönig
  • 2008 – Eveline Widmer-Schlumpf, Bundesrätin
  • 2009 – René Pretre, ein Herzchirurg
  • 2010 – Marianne Kaufmann, eine Krankenschwester, und Rolf Maibach, ein Arzt
  • 2011 – Didier Cuche, ein Skirennfaher
  • 2012 – Dario Cologna, Langläufer
  • 2013 – Stanislas Wawrinka, Tennisprofi
  • 2014 – Diedier Burkhalter, Bundesrat

Die Aufstellung zeigt, dass es sich bei den bislang zum Schweizer des Jahres gewählten Persönlichkeiten um wahre Größen aus dem täglichen Leben und um verdiente Sportler handelt. Es ist verständlich, dass ein Politiker, ein Entwicklungshelfer, eine besonders aktive und engagierte Krankenschwester oder eben ein Sportler diese Auszeichnung erhält. Umso weniger verständlich ist da die Auszeichnung für Joseph Blatter.

Der Chefredakteur rechtfertigt sich

Blatter 1Roger Köppel, der Chefredakteur und Verleger der Weltwoche, rechtfertigt sich; er ist der Meinung, dass die Auszeichnung von Joseph Blatter als Schweizer des Jahres verdient ist. Er argumentiert seinen Standpunkt und weist auf die Verdienste Blatters für die Fifa hin. Er ist der Meinung, dass Blatter Erstaunliches geleistet hat. Die Fifa war, als Blatter sie vor 17 Jahren übernahm, faktisch bankrott; Blatter machte aus Schulden in Höhe von 20 Millionen Schweizer Franken Reserven von 1,5 Milliarden Schweizer Franken. Ohne Zweifel ist das eine hervorragende unternehmerische Leistung. Als Blatter die Fifa übernahm, wurde sie von europäisch-südamerikanischen Fußball-Aristokraten beherrscht, Blatter machte sie zu einer weltumspannenden Agentur. Roger Köppel, der nicht nur Chefredakteur, sondern auch Nationalrat der Schweizerischen Volkspartei (SVP) ist, weist auf die Bodennähe Blatters und die Bedeutung der Fifa in der Entwicklungshilfe hin. Er lobt insbesondere Blatters Leistungen bei

  • Investition von Milliarden für Bau von Schulen und Infrastrukturen
  • Förderung des Frauenfußballs
  • Förderung arabischer Verbände
  • Weltmeisterschaft in Afrika

Diese Leistungen sind nicht zu unterschätzen, doch warum bekommt Blatter diese Auszeichnung gerade jetzt? Der Moment ist einfach unpassend, angesichts des Korruptionsskandals – wenn, dann hätte Blatter die Auszeichnung vorher erhalten müssen. Köppel bezeichnet die Expansion der Fifa nicht als betriebswirtschaftlichen Selbstzweck; er lobt die zivilisierende Kraft Blatters und die Verbreitung von Grundwerten wie Fairplay, Leistung und Selbstdisziplin. Leistung ist die eine Sache, niemand wird Blatter abstreiten, dass er etwas geleistet hat. Aber wie sieht es mit Fairplay und Selbstdisziplin aus? Das sind lobenswerte Attribute, die allerdings anlässlich des Korruptionsskandals ganz bestimmt nicht auf Blatter zutreffen. Blatter gehörte bis zu seiner Sperre zu den angesehensten Schweizern. Er verkehrte mit Kulturgrößen, Staatschefs, Top-Unternehmen und Päpsten; in dieser Hinsicht weist Köppel daraufhin, dass Blatter quasi im Nebenamt für die Schweiz warb. Natürlich ruft eine derartige Ausnahmestellung auch viele Neider auf den Plan. Wahre Größe wäre gewesen, wenn Blatter erst gar nicht in diesen Skandal geraten und gegen die Korruption gekämpft hätte. Immerhin hat Blatter für genügend negative Schlagzeilen gesorgt, er hätte freiwillig zurücktreten sollen – auch das wäre Größe gewesen. Blatter droht eine Sperre, wollte er sein Ansehen noch retten, dann gäbe es nur die eine Möglichkeit: Er dürfte die Auszeichnung zum Schweizer des Jahres gar nicht erst annehmen. Köppel hingegen bezeichnet es als Größe, dass Blatter weiter kämpft – gegen seine Sperre und für seinen Ruf.

Blatter droht Sperre von der Fifa-Ethik-Kommission

Am letzten Donnerstag wurde Blatter zur entscheidenden Anhörung vor die Fifa-Ethikkommission über eine weitere Sperre vorgeladen. Aufgrund einer dubiosen Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken im Jahr 2011an Uefa-Chef Michel Platini wurden Blatter und Platini vorerst für 90 Tage suspendiert. Nun droht beiden eine weitere Sperrung, jeder soll acht Jahre lang gesperrt werden. Die Entscheidung ist inzwischen gefallen, die beiden Funktionäre sind nun acht Jahre lang gesperrt. Wie die beiden Spitzenfunktionäre darstellen, handelt es sich bei der fragwürdigen Zahlung um eine verspätete Honorarzahlung an Platini aufgrund seiner Dienste von 1998 bis 2002. Das ist noch nicht alles, denn seit Mai dieses Jahres erschüttert ein weiterer Skandal die Fifa. Blatter hat ein ganzes Netzwerk der Korruption geknüpft. Die amerikanische Justiz erreichte die Verhaftung und Auslieferung vieler Funktionäre.

Blatter kämpft gegen Sperre

Blatter kämpft nun gegen seine Sperre, er kündigte Einspruch beim Berufungskomitee der Fifa sowie beim Internationalen Sportgerichtshof CAS an. Er will für sich selbst und für die Fifa kämpfen. Blatter beteuerte, dass die Millionenzahlung völlig legal gewesen sei. Die ermittelnde Kommission hatte sogar eine lebenslange Sperre für Blatter gefordert. Blatter ist außerdem der Ansicht, dass die Fifa-Ethikkommission nicht das Recht habe, einen gewählten Fifa-Chef aus dem Fußball zu verbannen. Nach der Bekanntgabe der Entscheidung über eine achtjährige Sperre zeigte sich Blatter kämpferisch, er werde das Urteil nicht hinnehmen. Er erschien in Begleitung seiner Tochter Corinne, doch wirkte er geschwächt und ungepflegt. Er war unrasiert, unter seinem rechten Auge trug er ein Pflaster. Die Entscheidung, Blatter zum Schweizer des Jahres zu wählen, ist ungerechtfertigt. Die Korruption schlägt hohe Wellen, es ist Blatters Recht, gegen die Sperre vorzugehen, doch angesichts der Korruption hat er sich eine so bedeutende Auszeichnung nicht verdient.

Foto: flickr.com/Felipe Quintanilha

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *