Alles deutet darauf hin, dass der FC Bayern München Jupp Heynckes aus dem Ruhestand zurückholt und der 72-jährige das Traineramt beim deutschen Rekordmeister übernimmt - zumindest bis zum Beginn der neuen Saison, wenn ein Julian Nagelsmann, ein Thomas Tuchel, ein Luis Enrique oder wer auch immer die Trainerbank für sich beansprucht. Für Heynckes wäre es bereits die vierte Amtszeit bei den Bayern, er gilt als einer der erfolgreichsten Trainer des FC Bayern München überhaupt. Doch hat er das Zeug dazu, die Mannschaft wieder an die Spitze zu führen, die Unruhe zu beruhigen und ein harmonisches Team zu formen?
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Das hat Don Jupp in seiner Trainerlaufbahn bisher erreicht

Heynckes erster Job in der Bundesliga war das Traineramt bei Borussia Mönchengladbach. Von 1979 bis 1987 war er dort Chefcoach, konnte in dieser Zeit allerdings keine Titel holen. Seine beste Saison hatten die Fohlen unter ihm 1983/84, damals wurde Gladbach punktgleich mit dem HSV und dem VfB Stuttgart Tabellendritter und wäre um ein Haar ins Finale des UEFA Cups gekommen. Im Sommer 87 ging es dann zum amtierenden Meister FC Bayern München. Und gleich die erste Saison verlief nicht sonderlich gut: Bremen wurde Meister, im Landesmeisterpokal gab es im Viertelfinale eine Niederlage gegen Real Madrid, im DFB-Pokal das Aus gegen den HSV. Dann wurde das Team umgebaut, mit den Neuzugängen Stefan Reuter, Roland Grahammer und Olaf Thon gab es zwei Meistertitel in Folge. In der Saison 1991/92 wurde Heynckes dann aber nach 12 Spieltagen, vier sieglosen Partien hintereinander und einer 1:4 Niederlage gegen Aufsteiger Stuttgarter Kickers entlassen. Es folgten die Stationen Athletic Bilbao, Eintracht Frankfurt und CD Teneriffa, ehe es in der Saison 1997/98 zu Real Madrid ging. Mit den Königlichen konnte er die Champions League gewinnen, enttäuschte aber auf nationaler Ebene und wurde am Ende der Saison entlassen. Nach einer Pause von einem Jahr trainierte er Benfica Lissabon, danach von 2001 bis 2003 wieder Athletic Bilbao, bevor es für Heynckes wieder zurück in die Bundesliga ging. Beim FC Schalke konnte er allerdings nicht viel bewirken, wurde in der Saison 2003/04 siebter und in der Folgesaison nach einem schwachen Start entlassen. 2006 begann er erneut bei Borussia Mönchengladbach, wo er aber auch nicht viel erreichen konnte – nach 19 Spielen wurde er auch dort wieder entlassen. Schließlich kam er im April 2009 zum FC Bayern zurück. Aber nur für fünf Spiele, denn er wurde für den entlassenen Jürgen Klinsmann als Notlösung eingesetzt, brachte die Bayern dann doch noch in die Champions League Qualifikation – wechselte dann aber überraschend zu Bayer 04 Leverkusen. In seiner ersten Saison dort wurde er vierter, danach Vizemeister. In der Europa League scheiterte er im Viertelfinale am FC Villarreal. flagge-bayern-muenchen

Die erfolgreichste Zeit

Ab dem 1. Juli 2011 wurde er erneut Chefcoach beim FC Bayern München. Zwei Spielzeiten lang machten die Bayern eine wahre Achterbahnfahrt durch. In seinem ersten Jahr musste er sich Borussia Dortmund in der Liga geschlagen geben, doch der große Titel Champions League Sieger schien zum Greifen nahe: Das Finale gegen den FC Chelsea vor heimischem Publikum ging jedoch verloren. Diese Niederlage ist noch immer eine der größten Pleiten in der Vereinsgeschichte. In der Folgesaison klappte es dann aber doch noch mit dem riesigen Triumph. Deutscher Meister, deutscher Pokalsieger und schließlich der Gewinn der UEFA Champions League im Wembley Stadion mit einem 2:1 Sieg gegen Borussia Dortmund.

Vorteile von Heynckes

Jupp Heynckes ist eigentlich eine logische Wahl, wenn es darum geht, wieder Ruhe in die Mannschaft des FC Bayern München zu bringen. Denn er kennt einen Teil der Spieler aus seiner letzten Zeit als Trainer noch persönlich. Und einige dieser Spieler haben in der Mannschaft eine ganze Menge zu sagen:

  • Manuel Neuer
  • Jerome Boateng
  • Thomas Müller
  • David Alaba
  • Javi Martinez
  • Franck Ribery
  • Arjen Robben

Dass es ausgerechnet Heynckes wird, macht aus Sicht des FC Bayern viel Sinn. Die Mannschaft ist derzeit keine Einheit, die Unruhe ist mit Händen greifbar. Der Altmeister ist kein Laptop-Trainer und auch kein Wohlfühl-Trainer, bei dem die Spieler auf Händen getragen werden. Er ist ein Fußball-Fachmann, alte Schule: Mal herzlich, mal knallhart. Er hat in seiner Karriere bereits alles erreicht, steht bei niemandem in der Schuld und hat weder sich noch der Öffentlichkeit noch irgendetwas zu beweisen. Er kenn den Verein und die Spieler und das Wichtigste: Mit ihm war der Verein erfolgreich, sicherte sich das Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Champions League. Er gibt den Fans, den Spielern, ja, dem ganzen Verein eventuell genau das Gefühl, das derzeit fehlt. Er kann der Mannschaft das Sieger-Gen wiedergeben.

Die Suche nach einem neuen Trainer wird weitergehen

Aber es sollte dabei nicht übersehen werden, dass die Verpflichtung von Heynckes auch ein Zeichen der großen Verzweiflung bei den Bayern ist. Die Bosse Rummenigge und Hoeneß sind sich, was einen neuen Coach angeht, nicht einig: Nagelsmann, Tuchel, Sagnol oder doch Luis Enrique – die Auswahl ist groß, die Einigkeit nicht vorhanden. Die Verhandlungen mit Thomas Tuchel zogen sich zuletzt hin, sonst würde er schon längst auf dem Trainerstuhl sitzen. Ob Nagelsmann die Sinsheimer verlassen wird in der kommenden Saison steht ebenfalls noch in den Sternen. Vielleicht lernt Luis Enrique bis zum Sommer des kommenden Jahres genug deutsch – vielleicht wird es aber auch jemand, dessen Name bislang auf keiner Liste steht.

Geblendet von dem Erfolg einer Saison?

Bei allem Lob für den Mann, der alles erreicht hat: Er war nicht immer und überall erfolgreich. Auch Heynckes wurde häufiger wegen Erfolgslosigkeit entlassen und holte nicht mit jeder Mannschaft Titel und Pokale. Vielleicht macht der FC Bayern auch einen Fehler und lässt sich von der einen erfolgreichen Saison blenden, die Heynckes mit den Bayern hatte. Wir dürfen gespannt sein, wie es beim Rekordmeister weitergehen wird.

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